Seit ich wieder stricke, bin ich natürlich auch im Internet in dieser Hinsicht aktiv. Es ist wirklich eine Fundgrube. Dabei nutze ich neben reinen Informationsseiten auch Mailinglisten, Blogs und Foren. Und letztere gefallen mir irgendwie immer weniger.
Seit es Foren im großen Stil gibt, verlagerte sich der Austausch von den Mailinglisten zu einem großen Teil dorthin, was wohl an der Verfügbarkeit liegt und daran, dass man bei den meisten Foren schon vor der Anmeldung nachlesen kann, ob es einem gefällt und dass das Postfach nach dem Beitritt nicht überquillt. Keine Frage, Foren sind praktisch.
Dennoch fühle ich mich in vielen Strickforen nicht richtig wohl. Das hat weniger mit dem Stricken zu tun, sondern ist ein Phänomen, dass die meisten Foren gemein haben, unabhängig davon, welchem Thema sie gewidmet sind.
Mein Unwohlsein hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Unsitte, noch für die allerbanalste Frage, die sich durch diverse Suchoptionen (google, Foren-Suchfunktion) innerhalb von Sekunden beantworten ließe, einen extra Thread zu eröffnen. Das macht die Foren unübersichtlich und langweilig. Dies hat nur am Rande mit dem Anfängerstatus zu tun. Anfänger sollen und müssen Fragen stellen. Dafür sind Foren letztendlich da. Aber etwas weniger Selbstbedienungsmentalität würde manchen Leuten schon gut anstehen. Wenn es in der ersten Frage heißt “Ich möchte einen Pullover stricken, wie geht das?”, in der zweiten “wie schlage ich Maschen an?” und in der dritten “was ist denn reine Schurwolle?”, dann hat das Forum schnell ein Problem. Da gehen dann Fragen von Strickanfängerinnen, die mit einer Anleitung nicht weiterkommen oder die eine Frage haben, die sie mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht beantworten können (oder sie die Antwort nicht verstehen), in der Masse eher unter, was sehr schade ist.
Das zweite Problem ist für mich die Präsentation fertiger Werke. Da wird gelobt, was das Zeug hält, fast jeder lobt fast alles, teilweise sogar mittels eines Massen-Rundumschlags (“A, B, C, D, E, das habt Ihr toll gemacht…”). Da geht ein wenig die Ehrlichkeit verloren. Wenn man das Produkt nun ganz fürchterlich findet oder es einen nicht interessiert (das 100000ste Paar Socken in glatt rechts aus dem letzten Opal-Abo beispielsweise) und man deswegen gar nichts zum entsprechenden Strickstück schreibt, werden automatisch die eigenen Arbeiten weniger beachtet (wobei ein völlig beliebiges Lob eigentlich wenig erstrebenswert ist).
Eine Mailfreundin und ich habe sogar schon überlegt, einen Aran aus Brazilia in Bonbonfarben zu stricken (wahlweise geht auch Lace oder Fair Isle aus diesem wundervollen Garn) und in Foren zu präsentieren, um zu sehen, was dann passiert. Ich wage zu behaupten, dass wir trotz der offenkundigen Scheußlichkeit gelobt werden würden und dass wir erst bei Ausrufung eines entsprechenden Knitalongs einer erhöhten Zurückhaltung begegnen würden. Es gibt zwar Strickforen, wo diese Probleme nicht oder kaum bestehen, aber diese sind eher selten.
In Mailinglisten besteht das Problem teilweise auch, aber nicht so drastisch. Und in Blogs besteht es gar nicht: Man stellt ein Bild von seinem Strickstück vor und jedem ist es überlassen, ob und was er dazu sagen möchte. Wenn das im Zweifelsfalle gar nichts ist, kann man sich hinter der anonymen Masse der Besucher verstecken. Wenn die Reaktion positiv ist, ist sie eher so gemeint als in einem Forum mit einer definierten Usergemeinschaft. Und das ist mir allemal lieber.

This is about discussion boards, mailinglists and blogs (and why I don’t really like most of the firstones). Since this seems to me to be a rather “German” problem, it’s not that interesting for my dear international readership. ;)