
Zunächst erkundeten wir weiter den Süden: Am Meal Beach waren wir zwar schon letztes Mal, aber da hat es so erbärmlich geregnet, dass man es nur ein paar Minuten ausgehalten hat. Diesmal hatten wir mehr Glück und konnten diesen wirklich sehr schönen Strand in Ruhe erkunden.

Das weiße Zeug ist Wollgras, das praktisch überall wächst und im Juni blühte. Der Untergrund ist sehr feucht und sumpfig, der Strand nur über einen Holzsteg zu erreichen.

Nein, dies sind nicht die Malediven oder so …

Was aussieht wie weißer Sand ist keiner, sondern fein zermahlene Muschelschalen.

Das tut der Attraktivität keinen Abbruch. Schwimmen ist hier im Nordatlantik nur etwas für ganz, ganz abgehärtete Naturen, und wir verzichteten dankend.

Obwohl es während der ersten Tage etwas kühl war (so ca. 12 – 15 Grad), reichte es, um ein wenig im Sand zu spielen.
Danach machten wir uns auf nach Scalloway. Das war früher der Hauptstadt der Inseln, bis es von Lerwick (eine vergleichsweise pulsierende Metropole mit gediegenen 5000 Einwohnern) abgelöst wurde. Entsprechend verschnarcht ist Scalloway heute.

Unser Ziel war dieses Museum, in der eine Ausstellung über den Shetland Bus gezeigt wird. Das heißt, eigentlich wird sie gezeigt, denn momentan zieht die Sammlung in ein größeres Gebäude um, und man sah gar nichts.Da es überhaupt keinen Sinn macht, sich wegen etwas zu ärgern, was man ohnehin nicht ändern kann (Wetter, Renovierungen, Museumsumzüge …), habe ich mir ein Buch zum Thema gekauft.
Es ist übrigens sehr bezeichnend, dass die Bewohner dieser Inseln, die damals noch sehr arm waren, die Flüchtlinge nicht in irgendwelche Container oder Heime gepfercht haben. Shetlander sind freundliche, aufgeschlossene Menschen, die zwar durch die Menge der Leute an ihre logistischen Grenzen stießen, aber dennoch zusammenrückten und die Leute unterbrachten und verpflegten. Zudem drang die für die Nationalsozialisten sicherlich hochinteressante Tatsache, dass ich am Ende der Welt etliche norwegische Widerstandskämpfer verbargen, bis Kriegsende niemals an die Öffentlichkeit. Scalloway ist bis heute ein beliebtes Ziel norwegischer Touristen, die Shetland besuchen, um auf den Spuren ihrer Vorfahren (von den Wikingern bis zu den Nationalhelden der deutschen Besatzungszeit) zu wandeln.

Wir setzten uns in ein Café und genossen die einzige halbwegs unverstellte Aussicht auf das Schloss, das von einem Bruder des Herzogs von Orkney erbaut wurde. Der Zustand und vor allem die unmittelbare Umgebung ist eine weitere Eigenart der Inseln. Man hat nichts gegen Schotten, aber wohl etwas gegen die ehemaligen schottischen Lairds (Landbesitzer), die den Feudalismus auf Shetland einführten und die Bevölkerung zum Teil sehr stark ausbeuteten. Praktisch bedeutet das, dass man die Schlösser (ebenso wie auf dem Jarlshof oder wie Muness Castle auf Unst) ordentlich abranzen ließ und – im Fall von Scalloway – mit wenig formschönen aber sehr praktischen industriellen Anlagen umstellte, damit die Dinger nicht mehr so stören (hier ein Bild des Schlosses von der anderen Seite).
Da es nichts mit dem Museum war, fuhren wir weiter zum Crofthouse Museum. Hier waren wir schon letztes Jahr (siehe den ausführlichen Bericht vom letzten Jahr), aber Herr Jinx kannte es noch nicht. Crofthouses sind die ehemaligen Behausungen von Kleinbauern, die heutzutage meist verfallen sind, da sie sehr schwierig zu modernisieren sind (bei Haas und Cottages ist das wesentlich einfacher). Aber es gibt ja die schön und liebevoll restaurierte Anlage im Süden von Mainland.

Shetland-Ponies haben hierzulande einen schlechten Ruf. Sie gelten als unleidlich und bissig, eine Erfahrung, die wir in zwei Urlauben nicht bestätigen konnten. Es ist nur so, dass sie keine sonderlich geeigneten Reittiere sind, sondern die – gemessen an der Körpermasse – wohl stärksten Pferde der Welt, die ganzjährig draußen und unter Ihresgleichen stehen wollen. Man ist sich nicht immer ganz sicher, ob sie wach sind oder schlafen, aber streicheln lassen sie sich gern. Sie sind klein, zäh, sehr kräftig, eigensinnig und durchsetzungsstark, aber sehr gelassen, wenn man ihnen nicht auf die Nerven geht. Sie sind eben kein Spielzeug, auch wenn sie wirklich wahnsinnig niedlich sind.

Die Fohlen sind wirklich winzig, hier im Vergleich zu nicht sehr hohen Brennnesseln.

Herr Jinx, der keine gute Meinung über diese Pferde hatte, musste seine Meinung revidieren.

Hier nochmal die Anlage …

… mit dem eingezäunten Garten, links im Bild. Wenn auf diesen fast baumlosen Inseln etwas gedeihen soll, muss es windgeschützt sein.

Das gilt auch für Strohdächer. Damit die Pracht nicht beim ersten Sturm dahingeht, wurden sie mit Steinen beschwert.

Sie gehört zur Anlage, aber letztes Jahr haben wir sie nicht besichtigt, da es zu feucht war und Mutter Jinx nur Turnschuhe trug: Die Wassermühle.

Sie ist wirklich winzig.

Gemahlen wurde vorzugsweise im Herbst und Winter. Die Shetland-Inseln sind nicht der geeignetste Ort, um Getreide zu ziehen, entsprechend mager fielen die Ernten aus. Außerdem führten die Bäche in diesen Jahreszeiten genügend Wasser, um die Mühlen anzutreiben. Der nahe gelegene Bach wurde zum Mahlen umgeleitet und bei Beendigung wasserradschonend wieder in sein angestammtes Bett zurückgeführt. Dies macht Sinn, wenn man bedenkt, dass Holz knapp und teuer war und aus Norwegen importiert werden musste.

Der Eingang ist so niedrig, dass Herr Jinx und ich nur kriechend hineingelangten. Mutter Jinx verzichtete dankend auf die Besichtigung der Innenräume historischer Miniaturgebäude.

Das Mahlwerk. Innen konnten wir übrigens aufrecht stehen. Die Holzteile wurden neu angefertigt (Mahlsteine liegen überall herum), und die Mühle ist voll funktionsfähig und wird heute auch noch ab und zu genutzt. Früher war es eine Gemeinschaftsmühle, die von mehreren Croftern betrieben wurde.

Das Wasserrad.

Wilde Iris in der unmittelbaren Umgebung der Mühle (ja, der Untergrund ist SEHR feucht dort).

Schafshintern auf dem Gelände der Anlage. Es stehen auf den Inseln überall Schafe herum, und sie verleihen selbst Museumsgebäuden einen selbstverständlichen Charakter. Hier gibt es keine disneyähnlichen Kitschanlagen, restaurierte Stätten wirken sehr natürlich.
Von dem freundlichen Menschen im Crofthouse Museum wurden wir auf die Quendale Water Mill, die sich in unmittelbarer Nähe befindet, aufmerksam gemacht, die wir als nächstes besichtigten.

Diese Mühle wurde 1867 erbaut und ersetzte die vielen kleinen Wassermühlen in der Umgebung.

Selbstverständlich war auch dies eine Gemeinschaftsmühle, die von Croftern in der weiteren Umgebung genutzt wurde. Auch sie wurde nach der Erntezeit bis in den Winter hinein betrieben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb eingestellt und die Anlage verfiel. Sie wunde aufwändig restauriert und ist heute wieder funktionstüchtig. Das Innenleben der Mühle wurde vollständig und fachgerecht ersetzt. Auch dies ist typisch für Shetland: Wenn man es schon rekonstruiert, dann soll es bitte auch funktionieren, selbst wenn die Anlage nicht mehr gebraucht wird. Freunde ruraler Verklärungsromantik kommen hier definitiv nicht auf ihre Kosten, Technikfreaks und Leute, die an authentischen Zeugnissen der Vergangenheit interessiert sind, allerdings schon.

Im Inneren: Alles neu, alles funktioniert.

Solche Museen begeistern auch Nerds.

Ausgefeilte Mechanik mit einer eigenen Ästhetik.

Blick in den Dachstuhl des Trockenbodens.
Zum Abschluss fuhren wir noch zu St. Ninian’s Isle, wo wir letztes Jahr schon mal waren. Das Wetter war diesmal nicht so strahlend, aber trocken. Der beeindruckende Tombolo wirkt jedoch in jeder Lage.

Der Tombolo ist die einzige Verbindung zu dieser Insel, die nach einem irischen Heiligen benannt wurde, der sie nie betreten hat.

Die ausschließlich von Schafen (na, was denn sonst?) bewohnte Insel ist weglos. Touris müssen sich ihre Pfade selbst suchen.

Herr Jinx prophezeihte mir, dass ich lauter Bilder von Schafsärschen mitbringen würde, und so war es auch. Dies sind jedenfalls Schafs- und Lammhintern auf St. Ninians.

Aber natürlich gibt es auch andere Fotos dieser niedlichen und nützlichen Tiere: Dieses wirklich prächtige Exemplar blickte zunächst visionär …

… dann eher kritisch in die Gegend.

Wie eine andere Welt: Die kleinen, völlig unbehausten Inselchen vor der Küste St. Ninians.

Die Insel war nicht immer unbewohnt. Neben den Überresten einer Kirche aus der Frühzeit der Christianisierung gibt es auch andere Relikte menschlicher Bewohner.

Trockenmauer, die ein Anwesen begrenzte (nehme ich an).

Und … äh … sonstige Mauerreste (ich bin Kunsthistorikerin, keine Archäologin).

Die Kirchenruine …

Nochmal der Tombolo, von der Insel aus gesehen.

Auf dem Rückweg zum Auto.